
Blog | REST vs. RPC in modernen Webanwendungen
Von David Grünberger am 03.04.2025
Die Wahl der richtigen Architektur für eine Webanwendung ist entscheidend für Performance, Skalierbarkeit und Wartbarkeit. Zwei häufig verwendete Ansätze für die Kommunikation zwischen Client und Server sind REST (Representational State Transfer) und RPC (Remote Procedure Call). In diesem Blogbeitrag werden beide Architekturen verglichen, auf ihre Vor- und Nachteile eingegangen und gezeigt, in welchen Anwendungsfällen sie sich am besten eignen.
1. Grundlagen: REST und RPC
Was ist REST?
REST ist ein Architekturstil für Web-APIs, der auf Ressourcen basiert. Jede Ressource wird durch eine eindeutige URL adressiert und über standardisierte HTTP-Methoden manipuliert:
GET
– Ressource abrufenPOST
– Neue Ressource erstellenPUT/PATCH
– Ressource aktualisierenDELETE
– Ressource löschen
REST nutzt in der Regel JSON oder XML als Datenformat und ist stateless, d. h., der Server speichert keinen Client-Zustand zwischen den Anfragen.
Beispiel für eine REST-API:
GET /users/1 → Holt Informationen über den Nutzer mit ID 1
POST /users → Erstellt einen neuen Nutzer
RESTful-APIs nutzen oft Standards wie OpenAPI (Swagger) zur Dokumentation und sind durch ihre Klarheit und Einfachheit weit verbreitet.
Was ist RPC?
RPC basiert auf der Idee, dass der Client eine Methode direkt auf dem Server aufruft, als wäre es eine lokale Funktion. Es gibt verschiedene RPC-Varianten:
- gRPC (Google RPC) – Nutzt Protocol Buffers (Protobuf) für effiziente Kommunikation und unterstützt Streaming.
- JSON-RPC – Nutzt JSON als Datenformat und ist einfacher zu implementieren.
- XML-RPC – Ältere Variante mit XML als Austauschformat.
Beispiel für eine RPC-Anfrage in JSON-RPC:
{
"jsonrpc": "2.0",
"method": "getUser",
"params": { "id": 1 },
"id": 1
}
Hier ruft der Client die Methode getUser(1)
auf dem Server auf, um Nutzerdaten abzurufen.
2. Vergleich: REST vs. RPC
2.1 Architekturansatz
REST ist ressourcenorientiert und folgt einer strikten Struktur mit URIs und HTTP-Methoden. RPC hingegen ist methodenbasiert und nutzt direkte Funktionsaufrufe.
Kriterium | REST | RPC |
---|---|---|
Struktur | Ressourcenbasiert (URL + HTTP-Methoden) | Methodenbasiert (Direkte Funktionsaufrufe) |
Datenformat | JSON, XML | JSON, Protobuf, XML |
Flexibilität | Höhere Flexibilität bei Datenzugriff | Effizienter bei klar definierten Services |
Performance | Höherer Overhead durch HTTP-Methoden | Schneller durch binäre Formate wie Protobuf |
Einsatzbereich | Öffentliche APIs, Microservices | Echtzeit-Systeme, interne Services |
Werkzeuge | OpenAPI, Swagger | gRPC, JSON-RPC, XML-RPC |
2.2 Performance-Unterschiede
RPC ist in der Regel schneller als REST, da es oft binäre Protokolle wie gRPC mit Protobuf nutzt, die effizienter als JSON oder XML sind. REST hat jedoch den Vorteil, dass es einfacher zu debuggen und mit Caching-Systemen kompatibel ist.
2.3 Flexibilität & Erweiterbarkeit
REST ist sehr flexibel, da es unabhängig von der Programmiersprache und leicht mit verschiedenen Clients verwendbar ist. RPC kann flexibler in der Methode sein, benötigt aber oft spezielle Clients oder Protokolle, was die Implementierung erschwert.
2.4 Einsatzbereiche
- REST eignet sich besonders für:
- Öffentliche APIs, z. B. für Drittanbieter-Integrationen (z. B. Twitter API, GitHub API).
- Web- und Mobile-Backends, die flexibel erweiterbar sein sollen.
- Microservices, die unabhängig voneinander arbeiten.
- RPC eignet sich besonders für:
- Leistungsstarke Echtzeitsysteme, z. B. Streaming oder Gaming.
- Interne Microservices, die eng miteinander kommunizieren.
- Low-Latency-Anwendungen, wo Performance entscheidend ist.
3. Hybride Ansätze: REST und RPC kombinieren
In modernen Webanwendungen werden oft hybride Ansätze genutzt, um die Vorteile beider Architekturen zu kombinieren.
Beispiel:
- REST kann für externe APIs genutzt werden, um Entwicklern eine standardisierte Schnittstelle zu bieten.
- Intern kann RPC (z. B. gRPC) für schnelle und effiziente Kommunikation zwischen Microservices verwendet werden.
Ein Unternehmen wie Netflix verwendet beispielsweise REST für externe APIs und gRPC für interne Kommunikation zwischen Microservices, um Performance zu optimieren.
4. Fazit
Beide Architekturen haben ihre Stärken:
- REST ist gut für allgemeine Web-APIs, Drittanbieter-Integrationen und mobile Anwendungen.
- RPC ist ideal für interne Services, performante Echtzeit-Kommunikation und stark vernetzte Systeme.
Die Wahl zwischen REST und RPC hängt von den spezifischen Anforderungen der Webanwendung ab. In vielen modernen Anwendungen werden sogar hybride Ansätze verwendet – z. B. REST für externe APIs und RPC für die interne Kommunikation zwischen Microservices.